SPS 2026: Wenn die Fabrik zur Software wird
Die Automatisierungsmesse SPS 2026 in Nürnberg setzt auf Industrial AI und softwaredefinierte Fabriken. Was dahintersteckt und welche Fragen offen sind.

Ein Smartphone kauft man einmal, und doch kann es nach ein paar Jahren Dinge, die es beim Kauf noch nicht konnte. Neue Funktionen kommen per Update, die Hardware bleibt dieselbe. Genau dieses Prinzip soll nun in die Fabrikhallen einziehen. Unter dem Schlagwort „Software Defined Industry“ arbeitet die Automatisierungsbranche daran, Produktionsanlagen ähnlich wandelbar zu machen. Wie weit sie damit tatsächlich ist, wird sich Ende November in Nürnberg zeigen. Dort trifft sich die Branche zur SPS 2026, einem der wichtigsten Treffpunkte für Automatisierungstechnik in Deutschland.
Ein Vorbericht darauf, worum es geht, was hinter den Schlagworten steckt und welche Fragen man den Ausstellern stellen sollte.
Drei Tage, 15 Hallen, vier große Themen
Die SPS findet vom 24. bis 26. November 2026 in Nürnberg statt. Angekündigt sind laut Industrieanzeiger 1.175 Aussteller aus 40 Ländern, verteilt auf 15 Hallen. Die Leitthemen lesen sich wie eine Zusammenfassung dessen, was die Industrie derzeit umtreibt:
- Industrial AI, also künstliche Intelligenz im Produktionsumfeld,
- Software Defined Industry, die Idee softwaregesteuerter, per Update erweiterbarer Anlagen,
- IT/OT-Integration, das Zusammenwachsen von klassischer Büro-IT (Informationstechnik) und der Technik, die Maschinen direkt steuert (Operational Technology, kurz OT),
- sowie industrielle Kommunikation, also die Frage, wie Maschinen, Sensoren und Systeme zuverlässig miteinander Daten austauschen.
Bemerkenswert ist der Anspruch, den das Fachmedium atpinfo.de formuliert: Die Messe soll vor allem zeigen, wie diese Technologien vom Konzept in die Anwendung kommen. Es geht also weniger um Visionen als um den Praxiseinsatz. Steffen Winkler von Bosch Rexroth bringt die Richtung auf den Punkt: KI, softwarebasierte Lösungen und offene Systeme veränderten die Industrie nachhaltig. Mit dem SPS Makeathon spricht die Messe zudem gezielt Nachwuchskräfte an, ein Hinweis darauf, dass die Branche neue Kompetenzen braucht.
Was „softwaredefiniert“ eigentlich bedeutet
Um das Schlagwort zu verstehen, hilft ein Blick auf den Namen der Messe. SPS steht für speicherprogrammierbare Steuerung. Gemeint sind spezialisierte Kleincomputer, die in Fabriken Maschinen und Anlagen steuern: Sie lesen Sensorwerte ein, verarbeiten sie nach einem festgelegten Programm und schalten Motoren, Ventile oder Förderbänder. Traditionell stammen Hard- und Software einer solchen Steuerung meist vom selben Hersteller und sind eng miteinander verzahnt.
Der Trend geht nun dahin, die Steuerungslogik von der Hardware zu trennen. Sie kann dann als sogenannte virtuelle SPS auf gewöhnlichen Industrie-PCs oder Servern laufen oder als App auf einem offenen Betriebssystem für die Industrie. Verschiedene große Anbieter arbeiten seit einiger Zeit an solchen Plattformen. Die Vorteile, mit denen die Branche argumentiert:
- Updates statt Umbau: Neue Funktionen lassen sich per Software nachliefern, ohne die Hardware zu tauschen.
- Bessere Zusammenarbeit: Systeme verschiedener Hersteller sollen leichter miteinander kombinierbar sein.
- KI zum Nachrüsten: Funktionen wie automatische Qualitätskontrolle oder vorausschauende Wartung, bei der Maschinendaten Hinweise auf drohende Ausfälle liefern, lassen sich leichter ergänzen.
Als Treiber dieser Entwicklung gelten der Fachkräftemangel, der Kostendruck auf die Produktion in Europa und der Wunsch, Fertigungslinien schneller auf neue Produkte umstellen zu können.
Wenn Roboter den Schaltschrank verdrahten
Wie das konkret aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus Ostwestfalen. Das Unternehmen Weidmüller aus Detmold präsentiert laut wirtschaft-regional.net in Halle 9 sein Automatisierungsportfolio u-mation mit dem eigenen Betriebssystem u-OS, also genau jene Art von Plattform, auf der Steuerungsfunktionen als Software laufen sollen.
Spannend ist ein zweiter Schwerpunkt: der Schaltschrankbau. Schaltschränke sind die grauen Kästen, in denen die Elektrik einer Anlage zusammenläuft: Steuerungen, Klemmen, Kabel. Ihre Verdrahtung ist bis heute zu großen Teilen Handarbeit. Weidmüller zeigt mit SNAP IN eine Anschlusstechnik, die laut Hersteller für die Verdrahtung durch Roboter ausgelegt ist. Live vorgeführt werden sollen zudem der Klippon Automated RailAssembler und der RailCutter, Maschinen für die Vorbereitung und Bestückung der Tragschienen im Schaltschrank.
Das Beispiel zeigt, dass Automatisierung nicht nur die Produktion von Kundenprodukten betrifft, sondern zunehmend auch die Herstellung der Automatisierungstechnik selbst.
Was das für Arbeit, Sicherheit und Wettbewerb bedeutet
So einleuchtend die Smartphone-Analogie ist, sie wirft eine Reihe von Fragen auf, die über die Messehallen hinausreichen.
Arbeit: weniger Routine, mehr Software-Kompetenz
Wenn Roboter Schaltschränke verdrahten, verändern sich Tätigkeiten, die bisher von Fachkräften von Hand erledigt wurden. Zugleich dürfte der Bedarf an Menschen wachsen, die sowohl Maschinen als auch Software verstehen. Die gezielte Ansprache von Nachwuchs über den Makeathon passt in dieses Bild. Ob Ausbildung und Weiterbildung mit dem Tempo Schritt halten, ist offen.
IT-Sicherheit: Wird die Fabrik angreifbar wie ein PC?
Mehr Vernetzung und regelmäßige Updates bedeuten auch mehr potenzielle Angriffsfläche. Wenn Steuerungslogik auf Standardrechnern läuft und mit der Büro-IT verbunden ist, müssen Fabriken ähnliche Sicherheitsfragen beantworten wie jede IT-Abteilung, nur dass ein Ausfall hier eine ganze Produktion stilllegen kann.
Offenheit oder neue Abhängigkeit?
Viele Hersteller werben mit „offenen Systemen“, bauen aber gleichzeitig eigene Plattformen und Betriebssysteme auf. Ob daraus echte, herstellerübergreifende Standards entstehen oder lediglich neue Ökosysteme, an die sich Kunden langfristig binden, ist eine der spannendsten Fragen der kommenden Jahre.
Anspruch und Realität
Selbst atpinfo.de weist darauf hin, dass die Umsetzung weiterhin technische und organisatorische Fragen aufwirft. Wie verbreitet Industrial AI in deutschen Fabriken heute tatsächlich ist und wie viel davon noch Pilotprojekt, lässt sich aus Messeankündigungen nicht ablesen. Genau das ist eine gute Leitfrage für jeden Messerundgang.
Ein November im Zeichen der Automatisierung
Die SPS ist nicht der einzige Branchentermin in diesem Monat. Laut dem Industrie-Kalender von Eurotext widmet sich die KommA 2026 am 10. November in Lemgo KI und neuen Mobilfunkstandards in der Industrie. Für den internationalen Vergleich lohnt der Blick nach Boston: Dort findet vom 16. bis 19. November die Automation Fair von Rockwell statt.
Fazit: Der Realitätscheck steht noch aus
Die SPS 2026 verspricht, die Fabrik der Zukunft weniger als Vision und mehr als Praxis zu zeigen. Die Richtung ist klar: Steuerung wird zu Software, Anlagen sollen per Update dazulernen, und KI soll sich nachrüsten lassen wie eine neue App. Ob das in der Breite gelingt, hängt jedoch an Fragen, die keine Messeshow beantworten kann: an Sicherheit, an echter Offenheit zwischen Herstellern und an Menschen, die diese Systeme bauen und betreuen. Ende November wird sich zeigen, wie viel von der softwaredefinierten Fabrik schon in der Halle steht und wie viel noch auf dem Präsentationsfolien.
Quellen
- Industrieanzeiger: Automatisierungsmesse SPS 2026 mit 1.175 Ausstellern aus 40 Ländern
- atpinfo.de: SPS 2026 zeigt Zukunft der Automatisierungstechnik im Praxiseinsatz
- wirtschaft-regional.net: Weidmüller auf der SPS 2026: Automatisierung im Fokus
- Eurotext: Industrie-Kalender: November 2026
- Automation Fair 2026 (Rockwell, Boston)
Recherchiert und geschrieben mit Unterstützung von KI (Claude von Anthropic). Alle Aussagen stützen sich auf die genannten Quellen. Einen Fehler entdeckt? Schreiben Sie an Kontakt@luroxmedia.de.


